Kalas, Region Karamoja, Uganda

Immer noch ist diese Region der dünnst besiedelte und in der Entwicklung meist zurückgebliebene Teil des Landes. Die erste Schule wurde 1934 eröffnet, zu einer Zeit, als es in anderen Teilen des Landes schon jahrzehntelang Sekundärschulen gab. Die Analphabeten Quote beträgt noch immer 75%. Die Bewohner des Distrikts leben in Stämmen und betreiben traditionell einen Mix aus Viehzucht und Ackerbau, wobei sie halbnomadisch leben. Weibliche Genitalverstümmelung (female genital mutilation, FMG) und Zwangsverheiratung von minderjährigen Mädchen sind nach wie vor keine Seltenheit.

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Zustand vor Ausbau

Die Kalas-Mädchenschule wurde von der Distriktregierung ermächtigt, als Zentrum für minderjährige Mädchen in Not zu wirken. Neben der Angst vor Zwangsverheiratung und FMG werden auch bereits verheiratete Minderjährige die flüchten, von der Schule aufgenommen, ebenso wie Mädchen, deren Eltern den Schulbesuch verweigern.

Viele der Mädchen mussten traumatisierende Erfahrungen durchleben und leiden unter der Trennung von ihrem Elternhaus. Die Entscheidung, von zu Hause fortzulaufen und an der Schule Aufnahme zu finden, ist keinem der Mädchen leichtgefallen. Um mit der afrikanischen Tradition des unbedingten Gehorsams gegenüber Anordnungen der Eltern zu brechen, braucht es starke Persönlichkeiten. Dies ist typisch für alle diese Mädchen.

Derzeit besuchen ca. 500 Mädchen diese Schule regelmäßig, die in 7 Klassen bis zur Grundschul-Abschlussprüfung führt. Durch die Schulschließung (Corona) ist die Erstklässler-Quote überproportional hoch. Da die Kinder in Streusiedlungen leben, ist das Einzugsgebiet sehr groß und die Internatsunterbringung unabdingbar. Etwa die Hälfte der Mädchen, die die Schule besuchen, sehen ihre Familie nur in den Ferien.

Projektziele und- maßnahmen

✓ Renovierung von 2 der drei bestehenden Schlafräume

✓ Bau eines weiteren Schlafraums für 60 Mädchen, einschließlich Betten und Matratzen

✓ Unterstützung der Mädchen, die nicht nach Hause zurückkehren können durch Schuluniformen, Hygieneartikel und Nahrungsmittel während der Ferien

✓ Zusatznahrung zu den Lieferungen von Grundnahrungsmitteln durch das Welternährungsprogramm. Geliefert werden lediglich etwas Mais, Bohnen und eine geringe Menge Öl. Das reicht für Kinder im Wachstum nicht aus

✓ Fortführung des Programms des komprimierten Lernens. Viele der Mädchen, die in der Schule Zuflucht suchen sind zu alt, um mit Sechsjährigen die Bank zu teilen. Deshalb wurde und wird ihnen der Lehrstoff altersbezogen komprimiert vermittelt, um dann in die entsprechenden Klassen integriert werden zu können.

Langfristiges Ziel ist neben der Schaffung eines sicheren Ortes für die Mädchen und der Vermittlung von Bildung, die sichere Rückkehr der Mädchen in ihre Heimatdörfer. Dazu müssen die Väter und /oder älteren Brüder einsehen, dass FGM und Zwangsverheiratung falsch sind und dass Schulbesuch ein Recht ist. Dies ist ein oft Jahre dauernder Prozess und gelingt nicht immer.